Kommunikation für Führungskräfte

Gesamtdauer: ca. 4 Stunden

Die Qualität deiner Kommunikation bestimmt die Qualität deiner Beziehungen – und damit deinen Erfolg als Führungskraft.

– Heute lernst du die Werkzeuge dafür.
70%
aller Konflikte entstehen durch Kommunikationsprobleme
3
bewährte Modelle für schwierige Gespräche
1
Tag – und du fühlst dich sicherer

Was du heute mitnimmst

1
Konflikte verstehen
2
Feedback geben
3
Kritik äußern

1Konflikte

GFK – Gewaltfreie Kommunikation

Konflikte früh erkennen und wertschätzend ansprechen

2Feedback

WWW – Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch

Rückmeldung konstruktiv und motivierend formulieren

3Kritik

SBI – Situation, Behaviour, Impact

Kritische Themen klar und respektvoll ansprechen

Einstieg: Deine aktuelle Situation

5 Minuten

Jede Reise beginnt mit der Frage: Wo stehe ich gerade?

– Nimm dir einen Moment für ehrliche Selbstreflexion.

Einzelarbeit mit Post-It

Schreibe deine Gedanken auf ein Post-It und klebe es an die Wand:

"Wenn ich an schwierige Gespräche im Team denke – was ist aktuell mein größtes Fragezeichen?"

💡

Kein Post-It ist "falsch" – alle Fragen und Unsicherheiten sind wertvoll für diesen Workshop.

Moderator: Post-Its und Stifte verteilen. Nach 3 Minuten bitten, die Post-Its aufzuhängen. Diese werden später im Workshop aufgegriffen.

Konflikte verstehen

ca. 15 Minuten

Konflikte sind nicht das Problem – ungelöste Konflikte sind es.

– Ein gut geführter Konflikt stärkt das Team.

Definition: Ein Konflikt liegt vor, wenn gegensätzliche Interessen, Bedürfnisse oder Werte aufeinandertreffen und mindestens eine Partei dies als störend empfindet.

Die drei häufigsten Konfliktursachen

Rollenunklarheit

Wer ist wofür zuständig? Überschneidende Verantwortlichkeiten führen zu Frustration.

Kommunikationsprobleme

Missverständnisse, fehlende Information, unterschiedliche Erwartungen.

Gefühlte Ungleichheit

Ungleiche Verteilung von Aufgaben, Anerkennung oder Ressourcen.

💡

Führungs-Tipp: Die meisten Konflikte entstehen nicht durch böse Absichten, sondern durch unterschiedliche Perspektiven. Deine Aufgabe: Verstehen, nicht urteilen.

Frage ans Plenum: "Welche dieser Ursachen habt ihr schon selbst erlebt? Hand heben reicht."

Konflikteskalation nach Glasl

ca. 10 Minuten

Friedrich Glasl beschreibt 9 Eskalationsstufen in 3 Phasen:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 Spannung & Verhärtung Debatte & Polemik Taten statt Worte Images & Koalitionen Gesichtsverlust Drohstrategien Begrenzte Vernichtung Zersplitterung Gemeinsam in den Abgrund WIN-WIN WIN-LOSE LOSE-LOSE
Stufe 1-3 Moderation möglich
Stufe 4-6 Externe Hilfe nötig
Stufe 7-9 Machteingriff erforderlich

Je früher ein Konflikt angesprochen wird, desto leichter lässt er sich lösen!

Frage ans Plenum: "In welcher Phase befinden sich die Konflikte, die ihr auf euren Post-Its genannt habt?"

Eisberg-Modell (Innere Motivatoren)

ca. 10 Minuten
Sichtbar Verborgen EREIGNISSE Beobachtbares Verhalten MUSTER & TRENDS Wiederkehrende Aktivitäten und Verhaltensweisen STRUKTUREN Systeme und Regeln, die Muster verstärken MENTALE MODELLE Überzeugungen und Werte, die das Verhalten antreiben Was passiert? Was passiert immer wieder? Was begünstigt das Verhalten? Welche Werte stecken dahinter?

Konflikte lassen sich nur nachhaltig lösen, wenn wir unter die Oberfläche schauen!

Reflexionsfrage: "Bei welchen Konflikten in eurem Team könnte es verborgene Ursachen geben?"

Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

ca. 20 Minuten

Hinter jedem Angriff steckt ein unerfülltes Bedürfnis.

– Marshall B. Rosenberg, Begründer der GFK

Die 4 Schritte der GFK

1Beobachtung

"Wenn ich sehe/höre..."

Nicht: "Du bist..."

2Gefühl

"...fühle ich mich..."

Nicht: "Ich habe das Gefühl, dass du..."

3Bedürfnis

"...weil ich ... brauche"

Nicht: "...weil du..."

4Bitte

"Kannst du bitte...?"

Nicht: "Versteh mich!"

Das Ziel: Verbindung herstellen statt Schuld zuzuweisen. Konflikte werden zu Möglichkeiten, einander besser zu verstehen.

Prinzipien konstruktiver Konfliktkommunikation

ca. 10 Minuten

Ich-Botschaften

"Ich habe beobachtet...", "Ich habe es so empfunden..."

Aktives Zuhören

Fragen stellen, nicht schlussfolgern

Neutraler Einstieg

"Mir ist aufgefallen..."

Lösungsorientierung

"Wie machen wir weiter?" statt "Wer ist Schuld?"

Führungsrolle im Konflikt: Frühzeitig klären · "Verstehen statt siegen" · Fokus auf Lösungen, nicht Schuld

Überleitung: "Lasst uns diese Prinzipien jetzt in einer Reflexion und einem Rollenspiel anwenden."

Checkliste: 4 Elemente eines klärenden Gesprächs

Referenz

1Anlass benennen

  • Was ist der konkrete Auslöser?
  • Worum geht es genau?
  • Wann und wo ist es passiert?

2Wahrnehmung & Wirkung

  • Was habe ich beobachtet?
  • Wie wirkt es auf mich/Team?
  • Klare Ich-Botschaften!

3Bedürfnis & Erwartung

  • Was brauche ich künftig?
  • Welche Veränderung wünsche ich?
  • Was ist mir wichtig?

4Klärung & Vereinbarung

  • Wie sieht die andere Sicht aus?
  • Was vereinbaren wir konkret?
  • Wie sichern wir Umsetzung?
💡

Diese Checkliste kannst du als Vorbereitung für jedes schwierige Gespräch nutzen!

Reflexion: Konflikte in deinem Team

ca. 25 Minuten

Einzelarbeit (10 Min)

Beantworte für dich diese 5 Reflexionsfragen:

1. Welche Konflikte treten aktuell in meinem Team auf?

Persönliche Spannungen, Ausgrenzung, Missverständnisse, Rollenunklarheit...

2. Welche Ursachen vermute ich – sichtbar vs. unsichtbar?

Fakten/Verhalten vs. Haltungen/Werte/Erwartungen

3. Wie habe ich bisher reagiert – was lief gut, was würde ich ändern?

4. Welche Kommunikationsmuster beobachte ich im Team?

Zuhören, Schuldzuweisungen, Rückzug, offene Gespräche...

5. Wie könnte ich klärend eingreifen?

Gruppenarbeit (15 Min)

Besprecht eure Erkenntnisse in 3er-Gruppen. Was fällt euch auf?

Hinweis: Achte auf die Zeit. Nach der Reflexion folgt ein Rollenspiel.

Rollenspiel: Konfliktgespräch führen

ca. 30 Minuten

Wir brauchen 3 Freiwillige

👔

Teamleitung

Moderiert den Konflikt

👤

Mitarbeiter A

Konfliktpartei 1

👤

Mitarbeiter B

Konfliktpartei 2

Fallkarten auswählen:

Nach dem Rollenspiel – Besprechung im Plenum:

  • Was hat gut funktioniert?
  • Welche GFK-Elemente wurden angewendet?
  • Was hätte man anders machen können?

Tipp: Falls keine Freiwilligen: Nutze die Fallkarten und moderiere selbst eine Beispiel-Situation vor.

Feedback vs. Kritik

ca. 15 Minuten

Feedback ist ein Geschenk – aber nur, wenn es richtig verpackt ist.

✓ Feedback (entwickeln)
  • Zukunftsgerichtet
  • Stärkenfokussiert
  • Regelmäßig & präventiv
  • Motivierend
✗ Kritik (korrigieren)
  • Vergangenheitsbezogen
  • Fehlerfokussiert
  • Reaktiv nach Problemen
  • Oft defensiv

Beides hat seinen Platz: Feedback entwickelt Menschen weiter. Kritik korrigiert Verhalten. Die Kunst liegt im richtigen Timing und Ton.

Feedback nach dem WWW-Modell

ca. 15 Minuten

Gutes Feedback beschreibt, was ich sehe – nicht, was ich vermute.

– Fakten schaffen Verständnis, Interpretationen schaffen Widerstand.

WWahrnehmung

Was habe ich konkret beobachtet?

Keine Interpretationen, nur Fakten.

"Ich habe gesehen, dass du in den letzten drei Meetings jeweils 10 Minuten später gekommen bist."

WWirkung

Welche Wirkung hatte das auf mich?

Eigene Gefühle und Reaktionen mitteilen.

"Das hat auf mich gewirkt, als wäre unsere gemeinsame Zeit nicht so wichtig."

WWunsch

Was wünsche ich mir für die Zukunft?

Konstruktiver Vorschlag statt Forderung.

"Ich wünsche mir, dass wir pünktlich starten. Was brauchst du dafür?"

Erfolgsfaktoren: Spezifisch & konkret · Ich-Botschaften · Lösungsorientiert · Zeitnah

💡

Praxis-Tipp: Der Wunsch sollte als offene Frage enden – so entsteht Dialog statt Anweisung.

Partnerübung: Feedback nach WWW

ca. 20 Minuten

So läuft die Übung ab

Runde 1

Partner A gibt Feedback (echte oder simulierte Situation)

Partner B hört nur zu und notiert

Runde 2

Partner B gibt Feedback

Partner A hört nur zu und notiert

Notizen für den Zuhörer:

W
Was wurde beobachtet?
W
Welche Wirkung beschrieben?
W
Welcher Wunsch formuliert?

Fallkarten auswählen:

Nach beiden Runden: Kurze Plenums-Reflexion – Was war leicht? Was war schwer?

SBI-Modell für Kritikgespräche

ca. 15 Minuten

Kritik ist das schärfste Werkzeug einer Führungskraft – und muss deshalb präzise geführt werden.

– SBI gibt dir die Struktur dafür.

SSituation

Wann und wo ist es passiert?

Konkreten Kontext eingrenzen.

"Gestern im Kundenmeeting um 14 Uhr, während der Angebotspräsentation..."

BBehaviour

Was genau wurde beobachtet?

Objektiv beschreiben, keine Motive unterstellen.

"...hast du dem Kunden dreimal widersprochen und dabei lauter gesprochen."

IImpact

Was waren die Auswirkungen?

Konkrete Folgen aufzeigen.

"Der Kunde hat das Meeting abgebrochen und wir haben den Auftrag verloren."

Anwendungsregeln: Faktenbasiert · Zeitnah · Spezifisch · Respektvoll

✗ So nicht

"Du bist immer so aggressiv zu Kunden!"

✓ Besser

"Gestern hast du die Stimme erhoben – das hat den Kunden verunsichert."

Wenn Rechtfertigung kommt

ca. 10 Minuten
🛡️

Wichtig: Rechtfertigung ist eine natürliche Reaktion. Bleib ruhig und steuere das Gespräch mit klaren Techniken.

Gesprächssteuerung

"Ich verstehe, dass du das anders siehst. Lass mich erst meine Beobachtung vollständig schildern."

Broken-Record

Kernbotschaft ruhig wiederholen, nicht auf jedes Argument eingehen.

Reframing

"Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um bessere Zusammenarbeit."

Struktur geben: "Ich brauche 5 Min. für meine Darstellung, dann hast du 5 Min. für deine Sicht."

✗ Eskalierend

"Du hörst mir ja gar nicht zu!"

"Das stimmt doch gar nicht!"

✓ Deeskalierend

"Ich höre, dass du das anders siehst."

"Was können wir konkret ändern?"

Fallarbeit: Kritikgespräch nach SBI

ca. 30 Minuten

Arbeitsauftrag für 3er-Gruppen

1️⃣

Fallkarte ziehen

Situation gemeinsam lesen

2️⃣

SBI vorbereiten

Gespräch nach Modell planen

3️⃣

Durchspielen

In der Gruppe üben

Fallkarten auswählen:

Anschließend: Demonstration im Plenum

Freiwillige spielen 2-3 Beispiele vor. Achtet auf: Wurde SBI eingehalten? Wie wurde mit Rechtfertigung umgegangen?

Beobachtungsfragen fürs Plenum: Was war besonders gut gelöst? Welche Alternative gäbe es noch?

Transfer in den Alltag

ca. 10 Minuten

Wissen wird erst wertvoll, wenn wir es anwenden.

– Nimm dir jetzt einen konkreten Vorsatz mit.

Einzelarbeit: Deine persönlichen Vorsätze

Nimm dir 5 Minuten und notiere deine Gedanken:

Ein Gespräch, das ich führen werde

Mit wem? Worüber? Wann?

Deine Notizen...

Ein Satz, den ich mitnehme

Welche Erkenntnis bleibt hängen?

Deine Notizen...

Tipp: Plane das Gespräch innerhalb der nächsten 7 Tage – je länger du wartest, desto unwahrscheinlicher wird die Umsetzung!

Optional: Wer möchte, kann seinen Vorsatz kurz mit der Gruppe teilen (freiwillig).

Geschafft!

ca. 10 Minuten

Du hast heute wichtige Werkzeuge kennengelernt. Jetzt liegt es an dir, sie einzusetzen.

– Viel Erfolg bei deinen Gesprächen!

Was wir gemeinsam erreicht haben

Konflikte verstehen
Feedback geben
Kritik äußern
🎯

GFK

Gewaltfreie Kommunikation für Konflikte

💬

WWW

Wahrnehmung-Wirkung-Wunsch für Feedback

SBI

Situation-Behaviour-Impact für Kritik

🚀

Abschlussfrage für dich: Was möchtest du in den nächsten 7 Tagen konkret ausprobieren?

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