Kommunikation für Führungskräfte
Gesamtdauer: ca. 4 StundenDie Qualität deiner Kommunikation bestimmt die Qualität deiner Beziehungen – und damit deinen Erfolg als Führungskraft.
– Heute lernst du die Werkzeuge dafür.Was du heute mitnimmst
1Konflikte
GFK – Gewaltfreie Kommunikation
Konflikte früh erkennen und wertschätzend ansprechen
2Feedback
WWW – Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch
Rückmeldung konstruktiv und motivierend formulieren
3Kritik
SBI – Situation, Behaviour, Impact
Kritische Themen klar und respektvoll ansprechen
Einstieg: Deine aktuelle Situation
5 MinutenJede Reise beginnt mit der Frage: Wo stehe ich gerade?
– Nimm dir einen Moment für ehrliche Selbstreflexion.Einzelarbeit mit Post-It
Schreibe deine Gedanken auf ein Post-It und klebe es an die Wand:
"Wenn ich an schwierige Gespräche im Team denke – was ist aktuell mein größtes Fragezeichen?"
Kein Post-It ist "falsch" – alle Fragen und Unsicherheiten sind wertvoll für diesen Workshop.
Moderator: Post-Its und Stifte verteilen. Nach 3 Minuten bitten, die Post-Its aufzuhängen. Diese werden später im Workshop aufgegriffen.
Konflikte verstehen
ca. 15 MinutenKonflikte sind nicht das Problem – ungelöste Konflikte sind es.
– Ein gut geführter Konflikt stärkt das Team.Definition: Ein Konflikt liegt vor, wenn gegensätzliche Interessen, Bedürfnisse oder Werte aufeinandertreffen und mindestens eine Partei dies als störend empfindet.
Die drei häufigsten Konfliktursachen
Rollenunklarheit
Wer ist wofür zuständig? Überschneidende Verantwortlichkeiten führen zu Frustration.
Kommunikationsprobleme
Missverständnisse, fehlende Information, unterschiedliche Erwartungen.
Gefühlte Ungleichheit
Ungleiche Verteilung von Aufgaben, Anerkennung oder Ressourcen.
Führungs-Tipp: Die meisten Konflikte entstehen nicht durch böse Absichten, sondern durch unterschiedliche Perspektiven. Deine Aufgabe: Verstehen, nicht urteilen.
Frage ans Plenum: "Welche dieser Ursachen habt ihr schon selbst erlebt? Hand heben reicht."
Konflikteskalation nach Glasl
ca. 10 MinutenFriedrich Glasl beschreibt 9 Eskalationsstufen in 3 Phasen:
Je früher ein Konflikt angesprochen wird, desto leichter lässt er sich lösen!
Frage ans Plenum: "In welcher Phase befinden sich die Konflikte, die ihr auf euren Post-Its genannt habt?"
Eisberg-Modell (Innere Motivatoren)
ca. 10 MinutenKonflikte lassen sich nur nachhaltig lösen, wenn wir unter die Oberfläche schauen!
Reflexionsfrage: "Bei welchen Konflikten in eurem Team könnte es verborgene Ursachen geben?"
Gewaltfreie Kommunikation (GFK)
ca. 20 MinutenHinter jedem Angriff steckt ein unerfülltes Bedürfnis.
– Marshall B. Rosenberg, Begründer der GFKDie 4 Schritte der GFK
1Beobachtung
"Wenn ich sehe/höre..."
Nicht: "Du bist..."
2Gefühl
"...fühle ich mich..."
Nicht: "Ich habe das Gefühl, dass du..."
3Bedürfnis
"...weil ich ... brauche"
Nicht: "...weil du..."
4Bitte
"Kannst du bitte...?"
Nicht: "Versteh mich!"
Das Ziel: Verbindung herstellen statt Schuld zuzuweisen. Konflikte werden zu Möglichkeiten, einander besser zu verstehen.
Prinzipien konstruktiver Konfliktkommunikation
ca. 10 MinutenIch-Botschaften
"Ich habe beobachtet...", "Ich habe es so empfunden..."
Aktives Zuhören
Fragen stellen, nicht schlussfolgern
Neutraler Einstieg
"Mir ist aufgefallen..."
Lösungsorientierung
"Wie machen wir weiter?" statt "Wer ist Schuld?"
Führungsrolle im Konflikt: Frühzeitig klären · "Verstehen statt siegen" · Fokus auf Lösungen, nicht Schuld
Überleitung: "Lasst uns diese Prinzipien jetzt in einer Reflexion und einem Rollenspiel anwenden."
Checkliste: 4 Elemente eines klärenden Gesprächs
Referenz1Anlass benennen
- Was ist der konkrete Auslöser?
- Worum geht es genau?
- Wann und wo ist es passiert?
2Wahrnehmung & Wirkung
- Was habe ich beobachtet?
- Wie wirkt es auf mich/Team?
- Klare Ich-Botschaften!
3Bedürfnis & Erwartung
- Was brauche ich künftig?
- Welche Veränderung wünsche ich?
- Was ist mir wichtig?
4Klärung & Vereinbarung
- Wie sieht die andere Sicht aus?
- Was vereinbaren wir konkret?
- Wie sichern wir Umsetzung?
Diese Checkliste kannst du als Vorbereitung für jedes schwierige Gespräch nutzen!
Reflexion: Konflikte in deinem Team
ca. 25 MinutenEinzelarbeit (10 Min)
Beantworte für dich diese 5 Reflexionsfragen:
1. Welche Konflikte treten aktuell in meinem Team auf?
Persönliche Spannungen, Ausgrenzung, Missverständnisse, Rollenunklarheit...
2. Welche Ursachen vermute ich – sichtbar vs. unsichtbar?
Fakten/Verhalten vs. Haltungen/Werte/Erwartungen
3. Wie habe ich bisher reagiert – was lief gut, was würde ich ändern?
4. Welche Kommunikationsmuster beobachte ich im Team?
Zuhören, Schuldzuweisungen, Rückzug, offene Gespräche...
5. Wie könnte ich klärend eingreifen?
Gruppenarbeit (15 Min)
Besprecht eure Erkenntnisse in 3er-Gruppen. Was fällt euch auf?
Hinweis: Achte auf die Zeit. Nach der Reflexion folgt ein Rollenspiel.
Rollenspiel: Konfliktgespräch führen
ca. 30 MinutenWir brauchen 3 Freiwillige
Teamleitung
Moderiert den Konflikt
Mitarbeiter A
Konfliktpartei 1
Mitarbeiter B
Konfliktpartei 2
Fallkarten auswählen:
Nach dem Rollenspiel – Besprechung im Plenum:
- Was hat gut funktioniert?
- Welche GFK-Elemente wurden angewendet?
- Was hätte man anders machen können?
Tipp: Falls keine Freiwilligen: Nutze die Fallkarten und moderiere selbst eine Beispiel-Situation vor.
Feedback vs. Kritik
ca. 15 MinutenFeedback ist ein Geschenk – aber nur, wenn es richtig verpackt ist.
✓ Feedback (entwickeln)
- Zukunftsgerichtet
- Stärkenfokussiert
- Regelmäßig & präventiv
- Motivierend
✗ Kritik (korrigieren)
- Vergangenheitsbezogen
- Fehlerfokussiert
- Reaktiv nach Problemen
- Oft defensiv
Beides hat seinen Platz: Feedback entwickelt Menschen weiter. Kritik korrigiert Verhalten. Die Kunst liegt im richtigen Timing und Ton.
Feedback nach dem WWW-Modell
ca. 15 MinutenGutes Feedback beschreibt, was ich sehe – nicht, was ich vermute.
– Fakten schaffen Verständnis, Interpretationen schaffen Widerstand.WWahrnehmung
Was habe ich konkret beobachtet?
Keine Interpretationen, nur Fakten.
WWirkung
Welche Wirkung hatte das auf mich?
Eigene Gefühle und Reaktionen mitteilen.
WWunsch
Was wünsche ich mir für die Zukunft?
Konstruktiver Vorschlag statt Forderung.
Erfolgsfaktoren: Spezifisch & konkret · Ich-Botschaften · Lösungsorientiert · Zeitnah
Praxis-Tipp: Der Wunsch sollte als offene Frage enden – so entsteht Dialog statt Anweisung.
Partnerübung: Feedback nach WWW
ca. 20 MinutenSo läuft die Übung ab
Runde 1
Partner A gibt Feedback (echte oder simulierte Situation)
Partner B hört nur zu und notiert
Runde 2
Partner B gibt Feedback
Partner A hört nur zu und notiert
Notizen für den Zuhörer:
Was wurde beobachtet?
Welche Wirkung beschrieben?
Welcher Wunsch formuliert?
Fallkarten auswählen:
Nach beiden Runden: Kurze Plenums-Reflexion – Was war leicht? Was war schwer?
SBI-Modell für Kritikgespräche
ca. 15 MinutenKritik ist das schärfste Werkzeug einer Führungskraft – und muss deshalb präzise geführt werden.
– SBI gibt dir die Struktur dafür.SSituation
Wann und wo ist es passiert?
Konkreten Kontext eingrenzen.
BBehaviour
Was genau wurde beobachtet?
Objektiv beschreiben, keine Motive unterstellen.
IImpact
Was waren die Auswirkungen?
Konkrete Folgen aufzeigen.
Anwendungsregeln: Faktenbasiert · Zeitnah · Spezifisch · Respektvoll
✗ So nicht
"Du bist immer so aggressiv zu Kunden!"
✓ Besser
"Gestern hast du die Stimme erhoben – das hat den Kunden verunsichert."
Wenn Rechtfertigung kommt
ca. 10 MinutenWichtig: Rechtfertigung ist eine natürliche Reaktion. Bleib ruhig und steuere das Gespräch mit klaren Techniken.
Gesprächssteuerung
Broken-Record
Reframing
Struktur geben: "Ich brauche 5 Min. für meine Darstellung, dann hast du 5 Min. für deine Sicht."
✗ Eskalierend
"Du hörst mir ja gar nicht zu!"
"Das stimmt doch gar nicht!"
✓ Deeskalierend
"Ich höre, dass du das anders siehst."
"Was können wir konkret ändern?"
Fallarbeit: Kritikgespräch nach SBI
ca. 30 MinutenArbeitsauftrag für 3er-Gruppen
Fallkarte ziehen
Situation gemeinsam lesen
SBI vorbereiten
Gespräch nach Modell planen
Durchspielen
In der Gruppe üben
Fallkarten auswählen:
Anschließend: Demonstration im Plenum
Freiwillige spielen 2-3 Beispiele vor. Achtet auf: Wurde SBI eingehalten? Wie wurde mit Rechtfertigung umgegangen?
Beobachtungsfragen fürs Plenum: Was war besonders gut gelöst? Welche Alternative gäbe es noch?
Transfer in den Alltag
ca. 10 MinutenWissen wird erst wertvoll, wenn wir es anwenden.
– Nimm dir jetzt einen konkreten Vorsatz mit.Einzelarbeit: Deine persönlichen Vorsätze
Nimm dir 5 Minuten und notiere deine Gedanken:
Ein Gespräch, das ich führen werde
Mit wem? Worüber? Wann?
Deine Notizen...
Ein Satz, den ich mitnehme
Welche Erkenntnis bleibt hängen?
Deine Notizen...
Tipp: Plane das Gespräch innerhalb der nächsten 7 Tage – je länger du wartest, desto unwahrscheinlicher wird die Umsetzung!
Optional: Wer möchte, kann seinen Vorsatz kurz mit der Gruppe teilen (freiwillig).
Geschafft!
ca. 10 MinutenDu hast heute wichtige Werkzeuge kennengelernt. Jetzt liegt es an dir, sie einzusetzen.
– Viel Erfolg bei deinen Gesprächen!Was wir gemeinsam erreicht haben
GFK
Gewaltfreie Kommunikation für Konflikte
WWW
Wahrnehmung-Wirkung-Wunsch für Feedback
SBI
Situation-Behaviour-Impact für Kritik
Abschlussfrage für dich: Was möchtest du in den nächsten 7 Tagen konkret ausprobieren?
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